Sommer 2017

Mein Sommer-Atelier im Garten

Noomi und Ruth

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Pressebesuch in meiner Werkstatt vor 4 Jahren ...

IKONEN - Fenster zum Himmel

Tagesthema 08. Januar 2013,  Landeskirche Hannover, ein Nachmittag in meiner Werkstatt ...

Wenn Pastoren zu Weihnachten vom Gottesglanz im Stall von Bethlehem reden, weiß die niedersächsische Ikonenmalerin Gisela Wichern, wovon sie sprechen. Denn für sie strahlen Ikonen in diesem Glanz. Das ganze Jahr.

Eine sehr intime Nähe

Behutsam rollt Gisela Wichern das Eigelb durch ihre hohle Hand. So lange, bis sich auch die letzten Eiweiß-Reste gelöst haben. Dann sticht die 53-jährige Ikonenmalerin die feine Haut rund um den Dotter an und lässt die Flüssigkeit vorsichtig in ein Gefäß laufen. Das ist die Basis, auf der die niedersächsische Künstlerin seit 20 Jahren Farben herstellt, die sie in ihrem Atelier in Sittensen bei Bremen verarbeitet. Unter ihren Händen entstehen Ikonen, die für sie mehr sind als nur Heiligenbilder. Sie öffnen ihr Fenster zum Himmel.

Ikonen stammen aus der ostkirchlichen Tradition der orthodoxen Christen in Russland und Griechenland. Sie zeigen Heilige wie Christus unter den himmlischen Mächten und ein Motiv, das gerade zu Weihnachten vielen Menschen vor Augen steht: Die „Gottesmutter von Korsun“ gilt als Urtyp der Ikone. Maria neigt sich zärtlich ihrem Kind zu, das sich eng an die Wange der Mutter schmiegt. „Eine sehr intime Nähe, in der ich Liebe und Zuneigung spüre“, beschreibt Wichern.

Ikonen sind das geschriebene Wort Gottes im Bild

Die zweidimensional gestalteten Bilder werden nicht gemalt, sie werden im Sprachgebrauch orthodoxer Christen geschrieben. „Ikonen sind das geschriebene Wort Gottes im Bild“, erläutert die Künstlerin. „Die Motive unterliegen strengen Regeln, denn die Botschaft der Bibel soll ja nicht verfälscht werden.“ Und auch die Interpretation oder das Gefühl der Künstlerin spielen keine Rolle. Alte Regeln, die über Jahrhunderte überliefert sind.

Dazu gehören die traditionellen Lasuren, in denen bei Bedarf neben Erdpigmenten und Wasser auch Essigessenz, Starkbier oder Ochsengalle verarbeitet werden, um die Farbe zu stabilisieren. Und natürlich Eigelb. „Möglichst nicht von freilaufenden Hühnern, die Regenwürmer fressen“, betont Wichern. „Dann ist der Dotter zu fett und bindet nicht richtig.“

Die dunkelste Schicht kommt zuerst

Mit der Farbe „schreibt“ Wichern auf eine harzfreie Holztafel, die sie zuvor geschliffen und mit mehreren Kreideschichten vorbereitet hat. In die Kreide hinein ritzt sie dann die Umrisse ihrer Motive. Himmel und göttliches Licht werden meist mit hauchdünnem Blattgold ausgelegt. Dann kommen die Farben. „Die dunkelste Schicht zuerst“, erläutert Wichern. „Schließlich geht auch der Mensch vom Dunkel ins Licht.“ Die mit Ei vermischte Farbe trocknet bis zu sechs Monate. Am Ende wird die Ikone mit Leinöl versiegelt.

Auf diese Weise im Atelier eine Ikone zu «schreiben», ist für Gisela Wichern ein spiritueller Akt, der ihre Seele berührt. «Ich schaue durch die Ikone in Gottes unsichtbare Welt», verdeutlicht die lutherische Christin. Aber noch wichtiger ist ihr das, was für sie in umgekehrter Richtung passiert. «Ikonen sind wie ein Dia: Christus als ewiges Licht scheint durch sie hindurch und fällt auf die Leinwand, auf den Betrachter.»

Ikonen bestrahlen die kranke Seele

Die klar gegliederten Motive haben für die Künstlerin eine heilende Wirkung. Das hat der Klinikseelsorger Georg Hummler bei seiner Arbeit in Stuttgart schon vielfach erlebt. „Die uralten Bildmotive bringen psychische Prozesse in Gang“, sagt der katholische Theologe, der besonders Erfahrungen mit der klassischen Ikone eines Engels gesammelt hat. „Das Bild trifft bei Erwachsenen uralte Seelenbilder vom Schutzengel aus Kinderzeiten, der bei meiner Operation den Ärzten die Hand führt und Wache am Bett hält, wenn nachts die Schmerzen kommen.“

Hummler erinnert sich an einen Patienten, der ihm sagte, die Radiologen hätten seinen kranken Körper bestrahlt, die Ikonen seine kranke Seele - «ohne gefährliche Nebenwirkungen». Auch für Gisela Wichern gilt: «Die Ikone ist nicht einfach nur ein Abbild, durch sie ist Christus wirklich anwesend.» So wie auf der Ikone, die Maria mit ihrem Kind zeigt. Und das nicht nur zu Weihnachten.

Dieter Sell / epd

Ikonen

Die Anfänge der christlich-orthodoxen Ikonenmalerei gehen auf antike Mumien-Porträts in Ägypten zurück. Das Wort Ikone selbst stammt aber aus dem Griechischen und bedeutet einfach „Bild“. Die ältesten erhaltenen Stücke stammen aus dem 6. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert entstand in der byzantinischen Kirche ein bis heute verbindlicher Kanon für die Gestaltung der Kultobjekte, die vom Sprachgebrauch her nicht gemalt, sondern „geschrieben“ werden.

Die Heiligenbilder entstehen zur Ehre Gottes, klar gegliedert und streng zweidimensional. Sie zeigen etwa Christus, die Gottesmutter oder die Heilige Dreifaltigkeit. Der Künstler tritt völlig hinter dem Motiv zurück, die Tafeln werden nicht signiert. Deshalb sind nur wenige Ikonenmaler so berühmt geworden wie Theophanes der Grieche und der Russe Andrei Rubljow, die beide im 14. Jahrhundert lebten.

Ikonen sind charakteristisch für die ostkirchliche Frömmigkeit. Sie gelten nicht einfach nur als Abbild der göttlichen Wirklichkeit, die sie darstellen. Durch sie hindurch ist die göttliche Wirklichkeit selbst anwesend. Für die Gläubigen ist die Ikone somit ein Ort der Begegnung mit dem Himmel - in der Kirche genauso wie in der Gebetsecke zu Hause.

Dieter Sell / epd

 

 


Zwischendurch ... Heraldik ... Wappenkunde ...

ja, auch das ist möglich ...

ich habe das Wappen von Briesnitz / Schlesien übertragen ... auf Holz ... 21x16 cm

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