Oktober 2017

Übertragung einer Buchmalerei aus dem Codex Aureus

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Gisela Wichern aus Sittensen hat sich der Ikonenmalerei verschrieben

Martina Albert / Kirchenzeitung Bistum Hildesheim / 11.07.2016

Gemalte Fenster zum Himmel

Es ist eine besondere Leidenschaft, der sich Gisela Wichern verschrieben hat: sie malt seit vielen Jahren Ikonen. „Das entschleunigt und wirkt tief in der Seele“, sagt die 57-Jährige.

Millimeterarbeit: Dank der Lupe ist es möglich, die Konturen ganz genau zu treffen. Gisela Wichern braucht zum Schreiben ihrer Ikonen vor allem eine sehr ruhige Hand. Foto: Martina Albert

Unter dem Dach ihres Hauses in der niedersächsischen Gemeinde Sittensen in der Nordheide hat Gisela Wichern ihr Atelier eingerichtet. Die Regale sind vollgepackt mit Pinseln, Farbpigmenten und Fachliteratur. Auf Staffeleien stehen ihre neuesten Werke, auf einem großen Tisch liegen drei in Tücher eingeschlagene Ikonen. Sie sind im letzten Stadium vor der Fertigstellung: Sie trocknen bis zu sechs Monate. Denn die Farben, mit denen die Ikonen gemalt werden, sind mit Eigelb gebunden und brauchen entsprechend lange um restlos zu trocknen. Am Ende wird die Ikone mit Leinöl versiegelt. Ebenfalls auf dem Tisch liegt ein neues Werk – noch sind nur Konturen der Figur und erste Farben zu sehen. Es wird eine Muttergottes-Ikone.

Arbeit zieht sich bis zu zwei Monate hin

Behutsam mischt Gisela Wichern, die gelernte technische Zeichnerin ist, einen rötlichen Farbton aus Farbpigmenten, Eigelb und etwas Essigessenz und beginnt, Pinselstrich für Pinselstrich an der Ikone zu arbeiten. Bis zu zwei Monate arbeitet sie an einem Exemplar. Stunden schreibt sie sich ganz bewusst nicht auf. „Ich schreibe ja auch nicht auf, wie lange ich bete“, sagt sie. Denn das Ikonenmalen oder wie es ganz klassisch heißt, Ikonen schreiben – das ist ein meditativer, spiritueller Prozess. „Es ist eine Form des Gebets“, sagt Gisela Wichern. Denn Ikonen sind der Idee nach das geschriebene Wort Gottes im Bild. „Ikonen sind Fenster zum Himmel – nicht ich schaue die Ikone an, sondern die Ikone schaut mich an“, berichtet die 57-Jährige.

Am Arbeitstisch von Gisela Wichern sind schon viele Ikonen entstanden. Foto: Martina Albert

Und so versteht Gisela Wichern das Schaffen einer Ikone auch nicht als Kunst, sondern als Handwerk. Denn sie werden nicht frei gestaltet, sondern nach ganz klaren Vorlagen. „Gerade das hat auch seinen Reiz, ich selbst nehme meine Vorstellungen zurück und lasse das Bild, so wie es gedacht ist, langsam entstehen. “ Vor vielen Jahren ist Gisela Wichern zur Ikonenmalerei gekommen. Schon als junge Frau fühlte sie sich zur Spiritualität hingezogen, las Bücher und Zeitschriften zum Thema. Als sie Ende der 80er-Jahre einen Artikel über eine Ikonenmalerin in Hamburg findet, ist sie fasziniert. Aber erst einige Jahre später macht sie einen einwöchigen Ikonenmalkurs in Gnadenthal bei der Christusbruderschaft. Ihr Mann hütet in dieser Zeit die drei kleinen Kinder zu Hause. „Da habe ich gemerkt, wieviel mir das bedeutet“, erinnert sie sich. Sie macht weitere Kurse. Solange, bis eine ältere Malerin zu ihr sagt: „Hören Sie auf Kurse zu machen, malen Sie.“ Gisela Wichern hält sich an den Ratschlag, hat seitdem über 80 Ikonen geschaffen. Regelmäßig stellt sie sie aus, verkauft immer wieder Exemplare, arbeitet auch auf Bestellung. Als Malerin arbeitet sie jedoch nicht nur an Ikonen, sondern schafft auch an andere Bilder – meist mit Mischtechnik.

Gisela Wichern trennt ein Ei. Das Eigelb wird mit Essigessenz und Farbpigmenten vermischt. Foto: Martina Albert

In ihrem Atelier bewahrt sie die fertigen Ikonen und andere Gemälde auf. Aufgehängt ist im Haus nur eine einzige: ein Christophorus hängt im Wohnzimmer. „Ikonen sind sehr präsent. Das kann auf Menschen die sich nicht so damit beschäftigen, etwas erdrückend wirken“, weiß sie. „Ikonen sind ja auch keine Dekorationsobjekte, sondern Gebets- und Meditationshilfe.“

Farbpigmente, Pinsel in jeder Form und Stärke –  so sieht der Arbeitsplatz einer Ikonenmalerin aus. Foto: Martina Albert

„Die Dunkelheit wird bewältigt“

Der Vorgang des Ikonenmalens ist immer gleich. Auf eine vorbereitete entharzte Holztafel werden mehrere Schichten Kreide aufgetragen, in die mit einer Reißnadel die Konturen geritzt werden. Danach wird die Grundierung für die Vergoldung vorbereitet und schließlich das hauchdünne Blattgold aufgetragen und poliert. Im Anschluss beginnt Gisela Wichern die dunkelsten Farben aufzutragen, schafft Hintergründe und arbeitet sich in die hellen Bereiche hinein. „Dieser Prozess nennt sich ,die Dunkelheit wird bewältigt’“, erklärt sie. Ganz zum Schluss kommt die dargestellte Person an die Reihe. Erst die Gewänder, dann das Gesicht. „Man nähert sich langsam an. Das ist oft ein intensiver Prozess. Man begegnet in ihm der Person, die man abbildet“, sagt sie.

Was entsteht, sind Ikonen mit Strahlkraft und Ausdruck.  „Sicher wird man mit der Zeit handwerklich besser, aber letztlich ist Ikonenmalerei eine Herzenssache und keine Angelegenheit der Perfektion“, betont Gisela Wichern. Denn Ikonen sollen stärken, Kraft geben und „das Fenster zum Himmel öffnen“. Dass Ikonen etwas statisch wirken, hat den Sinn, den Betrachter selbst zur Ruhe zu führen.

Martina Albert / Kirchenzeitung Bistum Hildesheim / 11.07.2016

 

 

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Pressebesuch in meiner Werkstatt vor 4 Jahren ...

IKONEN - Fenster zum Himmel

Tagesthema 08. Januar 2013,  Landeskirche Hannover, ein Nachmittag in meiner Werkstatt ...

Wenn Pastoren zu Weihnachten vom Gottesglanz im Stall von Bethlehem reden, weiß die niedersächsische Ikonenmalerin Gisela Wichern, wovon sie sprechen. Denn für sie strahlen Ikonen in diesem Glanz. Das ganze Jahr.

Eine sehr intime Nähe

Behutsam rollt Gisela Wichern das Eigelb durch ihre hohle Hand. So lange, bis sich auch die letzten Eiweiß-Reste gelöst haben. Dann sticht die 53-jährige Ikonenmalerin die feine Haut rund um den Dotter an und lässt die Flüssigkeit vorsichtig in ein Gefäß laufen. Das ist die Basis, auf der die niedersächsische Künstlerin seit 20 Jahren Farben herstellt, die sie in ihrem Atelier in Sittensen bei Bremen verarbeitet. Unter ihren Händen entstehen Ikonen, die für sie mehr sind als nur Heiligenbilder. Sie öffnen ihr Fenster zum Himmel.

Ikonen stammen aus der ostkirchlichen Tradition der orthodoxen Christen in Russland und Griechenland. Sie zeigen Heilige wie Christus unter den himmlischen Mächten und ein Motiv, das gerade zu Weihnachten vielen Menschen vor Augen steht: Die „Gottesmutter von Korsun“ gilt als Urtyp der Ikone. Maria neigt sich zärtlich ihrem Kind zu, das sich eng an die Wange der Mutter schmiegt. „Eine sehr intime Nähe, in der ich Liebe und Zuneigung spüre“, beschreibt Wichern.

Ikonen sind das geschriebene Wort Gottes im Bild

Die zweidimensional gestalteten Bilder werden nicht gemalt, sie werden im Sprachgebrauch orthodoxer Christen geschrieben. „Ikonen sind das geschriebene Wort Gottes im Bild“, erläutert die Künstlerin. „Die Motive unterliegen strengen Regeln, denn die Botschaft der Bibel soll ja nicht verfälscht werden.“ Und auch die Interpretation oder das Gefühl der Künstlerin spielen keine Rolle. Alte Regeln, die über Jahrhunderte überliefert sind.

Dazu gehören die traditionellen Lasuren, in denen bei Bedarf neben Erdpigmenten und Wasser auch Essigessenz, Starkbier oder Ochsengalle verarbeitet werden, um die Farbe zu stabilisieren. Und natürlich Eigelb. „Möglichst nicht von freilaufenden Hühnern, die Regenwürmer fressen“, betont Wichern. „Dann ist der Dotter zu fett und bindet nicht richtig.“

Die dunkelste Schicht kommt zuerst

Mit der Farbe „schreibt“ Wichern auf eine harzfreie Holztafel, die sie zuvor geschliffen und mit mehreren Kreideschichten vorbereitet hat. In die Kreide hinein ritzt sie dann die Umrisse ihrer Motive. Himmel und göttliches Licht werden meist mit hauchdünnem Blattgold ausgelegt. Dann kommen die Farben. „Die dunkelste Schicht zuerst“, erläutert Wichern. „Schließlich geht auch der Mensch vom Dunkel ins Licht.“ Die mit Ei vermischte Farbe trocknet bis zu sechs Monate. Am Ende wird die Ikone mit Leinöl versiegelt.

Auf diese Weise im Atelier eine Ikone zu «schreiben», ist für Gisela Wichern ein spiritueller Akt, der ihre Seele berührt. «Ich schaue durch die Ikone in Gottes unsichtbare Welt», verdeutlicht die lutherische Christin. Aber noch wichtiger ist ihr das, was für sie in umgekehrter Richtung passiert. «Ikonen sind wie ein Dia: Christus als ewiges Licht scheint durch sie hindurch und fällt auf die Leinwand, auf den Betrachter.»

Ikonen bestrahlen die kranke Seele

Die klar gegliederten Motive haben für die Künstlerin eine heilende Wirkung. Das hat der Klinikseelsorger Georg Hummler bei seiner Arbeit in Stuttgart schon vielfach erlebt. „Die uralten Bildmotive bringen psychische Prozesse in Gang“, sagt der katholische Theologe, der besonders Erfahrungen mit der klassischen Ikone eines Engels gesammelt hat. „Das Bild trifft bei Erwachsenen uralte Seelenbilder vom Schutzengel aus Kinderzeiten, der bei meiner Operation den Ärzten die Hand führt und Wache am Bett hält, wenn nachts die Schmerzen kommen.“

Hummler erinnert sich an einen Patienten, der ihm sagte, die Radiologen hätten seinen kranken Körper bestrahlt, die Ikonen seine kranke Seele - «ohne gefährliche Nebenwirkungen». Auch für Gisela Wichern gilt: «Die Ikone ist nicht einfach nur ein Abbild, durch sie ist Christus wirklich anwesend.» So wie auf der Ikone, die Maria mit ihrem Kind zeigt. Und das nicht nur zu Weihnachten.

Dieter Sell / epd

Ikonen

Die Anfänge der christlich-orthodoxen Ikonenmalerei gehen auf antike Mumien-Porträts in Ägypten zurück. Das Wort Ikone selbst stammt aber aus dem Griechischen und bedeutet einfach „Bild“. Die ältesten erhaltenen Stücke stammen aus dem 6. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert entstand in der byzantinischen Kirche ein bis heute verbindlicher Kanon für die Gestaltung der Kultobjekte, die vom Sprachgebrauch her nicht gemalt, sondern „geschrieben“ werden.

Die Heiligenbilder entstehen zur Ehre Gottes, klar gegliedert und streng zweidimensional. Sie zeigen etwa Christus, die Gottesmutter oder die Heilige Dreifaltigkeit. Der Künstler tritt völlig hinter dem Motiv zurück, die Tafeln werden nicht signiert. Deshalb sind nur wenige Ikonenmaler so berühmt geworden wie Theophanes der Grieche und der Russe Andrei Rubljow, die beide im 14. Jahrhundert lebten.

Ikonen sind charakteristisch für die ostkirchliche Frömmigkeit. Sie gelten nicht einfach nur als Abbild der göttlichen Wirklichkeit, die sie darstellen. Durch sie hindurch ist die göttliche Wirklichkeit selbst anwesend. Für die Gläubigen ist die Ikone somit ein Ort der Begegnung mit dem Himmel - in der Kirche genauso wie in der Gebetsecke zu Hause.

Dieter Sell / epd

 

 


Zwischendurch ... Heraldik ... Wappenkunde ...

ja, auch das ist möglich ...

ich habe das Wappen von Briesnitz / Schlesien übertragen ... auf Holz ... 21x16 cm

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Kalligraphie Workshop Kurs Sittensen Angelini 3.JPG